Spandauer „O“ (O-Jollen)

Ein Regattabericht von Swen Froemming

Vorwort:
Seit diesem Wochenende bin ich bei einigen bekannt als: „Der gegen den Wind segeln kann“

Und das begab sich so:

Am 30.07.2022 – 31.07.2022 hatte der Spandauer Yacht-Club zur zweiten Austragung der 2021 neu gegründeten Regatta „Spandauer O geladen. 16 Meldungen versprachen ausreichend Spaß. Besonders freute ich mich darüber, dass ich meinen lieber Freund Ingo Lochmann, nach längerer Regattaabwesenheit, für die O-Jolle begeistern konnte und der mit seinem erst vor kurzem gekauften Boot auch gleich die Klingen kreuzen wollte. Hochsommerliche Verhältnisse auf der Berliner Unterhavel, in der großen Breite vor Schwanenwerder, ließen spezielle Bedingungen erwarten.

Bei leichten Winden wurde das Feld in die erste Regatta entlassen. Wer die Startkreuz über
rechts anging und dabei den Mut hatte dort lange durchzuhalten, sollte den richtigen Instinkt bewiesen haben und konnte sich an der ersten Tonne vorne einreihen. Aus meiner Sicht bedeutete das zwar nicht erster, aber schön mit dabei. Die leichten und dabei zunehmend drehenden Winde machten es zwar spannend, aber große Positionswechsel konnte ich nicht erkennen. Entscheidend sollte die letzte Rundung des Lee-Tores werden, nach der in kurzem Abstand die Ziellinie ausgelegt war. Mehrheitlich wurde die „rechte“ Tonne angefahren, ich entschied mich für die „linke“ und sollte damit die bessere Wahl getroffen haben. Der Weg von dort ins Ziel war durch eine leichte Winddrehung begünstigt und so kam ich als 4. ins Ziel.

In der zweiten Wettfahrt wurde der Wind zunehmend schwieriger. Wieder wurde die Startkreuz mehrheitlich auf der rechten Seite angefahren, ich entschied mich mehr zur Mitte und rundetet als erste die Luftonne. Wunderbar, nur leider wurde aus der Vorwind-Strecke plötzlich ein Halbwindkurs, mit Wind von links, ich zu weit rechts und schon hatte man mich gestellt. Ärgerlich, auch wenn der Wind sich anschließend entschied, wieder einen Vorwind-Kurs herzustellen, die Führung war weg.

Die nun folgende, zweite Kreuz sollte die Entscheidung bringen. Die rechte Lee-Tonne
gewählt, versuchte ich es diesmal mehr mittig, nicht weit entfernt von dem späteren
Gesamtsieger, den ich zuvor auch um die rechte Tonne genötigt hatte und der unter
vorgehaltener Hand dies für die falsche Richtung hielt. Nun zeigte der Wind, wozu er an
diesem Tag in der Lage sein sollte und drehte immer weiter auf rechts. Die Kreuz wurde
zunehmend zu einem Anlieger mit eben diesem Mitstreiter und mir an der richtigen Stelle.
Entweder traute er dem Braten nicht oder er zweifelte an anderer Stelle mit dem
eingeschlagenen Kurs und wendete weg. Ich blieb standhaft und wurde mit einem schönen
Bogen, ohne wenden zu müssen belohnt und erreichte wieder als erster die Luvtonne. Fortan wurde gemunkelte, ich könne „gegen den Wind segeln!“

Diesmal war ich wachsamer und gab den Platz nicht mehr her. Das sollte es dann für den Samstag auch gewesen sein.

Nach dem ersten Tag in der Ergebnisliste zweiter, sollte der Sonntag die Entscheidung bringen. Das hochsommerliche Wetter legte noch mal nach und ließ den wenigen Wind zudem stark drehen. Nach mehreren Startverschiebungen wurde das Feld dann doch gestartet. Die Startlinie war über Bb-Bug nicht wirklich zu überqueren, also wendete das gesamte Feld sofort. Holger Kalinner und ich versuchten es etwas weiter links, ohne den durchschlagenden Erfolg allerdings. Nur einer, nämlich Dieter Fritsche „Goldi“ kam ungestört von wenig Wind und Winddrehern mit ordentlich Fahrt von ganz rechts und rundete die Luvtonne als erster. Beeindruckend, aber der Vorsprung war nicht groß genug um sich vom Feld absetzen zu können, wir holten wieder auf und nach dem Lee-Tor war „Goldi“ gestellt.

Die nächste Kreuz wurde noch bizarrer. Das Feld blieb mehrheitlich ohne Wind stehen, nur einer, nämlich wieder „Goldi“ durchmaß diesmal von rechts rüber nach links die Kreuz, wieder mit mehr Wind als der Rest und umrundete erneut die Eins als Erster. Man vermutet, dass er irgendwie aus dem All Leuchtpunkte auf das Wasser projiziert bekommen haben muss, denen er einfach nachgefahren ist. Diesmal reichte der Vorsprung und er gewann dieses Rennen. Ebenso gutes Gespür für den Wind hatte wieder einmal Frank Lietzmann, der zweiter wurde vor Olaf Wahrendorf und Olaf Krüger. Ich konnte hingegen nicht mehr als den neunten Platz retten. An weitere Rennen war bei diesen Bedingungen nicht zu denken und so zeigt sich als Gesamtergebnis Frank Lietzmann als erster, Olaf Wahrendorf als zweiter und mich als dritten.

Und Ingo ? Er war nach eigenem Bekunden viel zu sehr mit dem Boot beschäftigt und wurde insgesamt 11. Ich freue mich, dass er ab jetzt bei der O-Jollen-Community dabei ist und insgeheim freue ich mich aber auch, dass eine O-Jolle kein Selbstläufer zu sein schein, auf dem selbst so exzellente Segler wie Ingo, nicht automatisch sofort gewinnen.

Eine schöne Veranstaltung, mit prima Betreuung, zu der wir gerne wieder kommen.

Swen Froemming

GER 1178, Froschkönig

P.S.:
Die O-Jollen Flotten in vielen Clubs wachsen wieder. Wer einmal Lust hat, dieses Boot
auszuprobieren, den lade ich herzlich zu einem Probeschlag ein.

Ergebnisse

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